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Holger Machatschek 80 Jahre

Moment mal, da hatte jemand Geburtstag: Holger Machatschek ist im Mai 2019 achtzig Jahre alt geworden. Herzliche Gratulation und weiterhin alles Gute!

Kein anderer hat den „Alpinen Wildwassersport“ mehr beeinflusst als eben dieser Holger Machatschek, über mehrere Jahrzehnte hinweg, oft aus dem Hintergrund, bis heute. Zahlreiche Paddler ließen sich von seinen Berichten, Fotos und Bildern über die Jahre inspirieren, jeder Wildwasserfahrer profitiert von seinen Entwicklungen. Beispiele gefällig? Dann blicken wir einfach ein paar Jahrzehnte zurück, nach 1972, die Anfangszeit des Alpinen Wildwasserfahrens.

Holger Machatschek, Portrait. Foto: Horst Fürsattel

PE-Boote gab es noch nicht, auch kein Google, Facebook, Internet oder Smartphone. Aber Landkarten mit Flüssen, deren Oberläufe und Schluchten noch nicht erkundet oder befahren waren. Dorthin trauten sich nur wenige, man kannte sich gegenseitig nicht und traf sich höchstens zufällig an diesen oder jenem Einsatzort. In dieser Situation war es Holger Machatschek, der die Telefonnummern dieser Paddler sammelte und zur berühmten „Kontaktliste“ zusammenstellte. Jetzt gab es Informationsaustausch, Treffen, gemeinsame Fahrten – der „Alpine Kajak-Club“ war geboren. Binnen kurzer Zeit entwickelte sich der AKC zum renommiertesten WW-Club der Welt und wurde zum wichtigsten Netzwerk der internationalen Wildwasser-Szene.

Mit Anzahl und Schwierigkeit der befahrenen Flüsse ging auch ein Anstieg der Unfälle einher, das Sicherheitsdenken der Paddler und die richtige Ausrüstung waren noch nicht entwickelt. Wurfsack, Prallplatte, Gurtweste, Sicherheitsluke – nichts davon war damals bekannt oder gar Standard. Auch hier war es Holger Machatschek, der nach Unfällen Fragen stellte, analysierte, Informationen sammelte, mit Experten diskutierte und zusammen mit den Herstellern serientaugliche Lösungen suchte und fand.

Zusätzlich zur Ausrüstung galt es auch das Sicherheitsbewusstsein in den Köpfen der Paddler zu entwickeln, ebenso wie deren Kompetenz im Umgang mit dem neuen Equipment. Der Schlüssel dazu war die Sicherheitsbroschüre „Kanugefahren“, produziert von Holger Machatschek, in fünf Auflagen, ein Meilenstein, das anerkannte Standard-Sicherheitswerk und Vorbild für nachfolgende Publikationen.

Diese Erkenntnisse auch in der Praxis und an neue Kanufahrer weitergeben, das war erklärtes Ziel der Kanuschulen. München war zu dieser Zeit Kanu-Hochburg und Holger Machatschek Mitbegründer sowie erster Leiter der Sport-Scheck Kanuschule München. Zusammen mit Kollegen gründete Holger Machatschek auch den VDKS, den „Verband Deutscher Kanu-Schulen“ und ein Vorläufer des heutigen BV-Kanu.

Die Schräge Platte der Mittleren Oetz, die Große Vecchioschlucht, Talferbach, San Bernadino, Cannobino, Schwarzbach – überall war Holger Machatschek bei den Erstbefahrungen als Teilnehmer und Initiator im Spiel. Er war es auch, der dann in den interessanten Blättern dieser Zeit die Berichte platzierte: Alpinismus, Alpin-Magazin, Bergwelt, DKV-Kanusport, Kanu-Magazin – sie alle haben seine Artikel gedruckt und befeuerten so die weitere Entwicklung des alpinen Wildwassersports.

Holger Machatschek auf der Vercasca, ca. 1980, Foto: Dieter Seidel
Holger Machatschek auf der Vercasca, ca. 1980, Foto: Dieter Seidel

Eine herausragende Eigenschaft von Holger Machatschek ist seine Angewohnheit, Bewährtes zu hinterfragen. Beispielsweise Form und Länge der üblichen Wildwasser-Kajaks. Die waren damals um die vier Meter lang und entsprechend spitz geformt. Beides reizte Holger zum Experimentieren, herausgekommen ist dabei zuerst der „Topolino“, das erste serienmäßige Kurzboot der Welt, Kultobjekt und Ende der Vier-Meter-Klasse. Kurz darauf entstand mit dem „VB-2000“ eine Studie mit hochgezogenem Bug für wesentlich besseres Auftauchverhalten. Auch dieses Detail wurde sofort zum Standard bei den modernen Wildwasserbooten.

Beide Entwicklungen, kürzere Länge und verbesserte Form, hatten einen drastischen Rückgang bei den bis dahin oft tödlichen Steck- und Klemm-Unfällen zur Folge.

Neben der Leidenschaft, selber für Magazine und Bücher zu schreiben, sammelt Holger seit jeher auch Bücher und Publikationen anderer Autoren. So entstand erst einmal eine private Büchersammlung, daraus dann eine Buchsammlung zusammen mit dem AKC und 1995 dann das Internationale Kanu-Museum mit Booten von Luther, Rittlinger und Heurich.

Soweit diese kleine Zwischenbilanz zum 80ten Geburtstag von Holger Machatschek. Es gäbe noch mehr zu erzählen, beispielsweise die berühmten Nachtfahrten durch die Salzachöfen. Darüber und weitere Episoden reden wir dann am Lagerfeuer. In diesem Sinne noch einmal: Herzlichen Dank und alles Gute dir, Holger Machatschek!

Horst Fürsattel, Mai 2019


Beitrag erschienen im DKV-Kanusport Juni 2019



Holger Machatschek 80 years old

Wait a minute, it was someone's birthday: Holger Machatschek turned eighty in May 2019. Congratulations and all the best!

No other has influenced the "Alpine whitewater paddling" more than Holger Machatschek, for several decades, often from the background, until today. Numerous paddlers have been inspired by his reports, photos and pictures over the years, every whitewater kayaker benefits from his developments. Want some examples? Then let's simply look back a few decades, to 1972, the early days of alpine whitewater paddling.

PE boats did not yet exist, nor did Google, Facebook, the Internet or smartphones. But maps with rivers whose headwaters and gorges had not yet been explored or navigated. Only a few people dared to go there, they didn't know each other and met only by chance at this or that place. In this situation it was Holger Machatschek who collected the telephone numbers of these paddlers and compiled them into the famous "contact list". Now there was an exchange of information, meetings, joint trips - the "Alpine Kayak Club" was born. Within a short time the AKC developed into the most renowned whitewater kayakers club in the world and became the network of the international whitewater scene.

With the number and difficulty of the rivers run there was also an increase in accidents, the safety knowledge of paddlers and the right equipment had not yet been developed. Throw bag, satety footrest, PFDs with quick-release harness, safety cockpit - none of them were known or even standard at that time. Here, again, it was Holger Machatschek who asked questions after accidents, analysed, collected information, discussed with experts and, together with the manufacturers, sought and found solutions suitable for series production.
In addition to the equipment, it was also necessary to develop safety awareness in the paddlers' minds, as well as their competence in handling the new equipment. The key to this was the safety brochure "Kanugefahren", produced by Holger Machatschek in five editions, a milestone, the recognized standard safety work and model for subsequent publications.

The declared aim of the canoeing schools was to pass on these findings in practice and to new canoeists. Munich was at that time canoe stronghold and Holger Machatschek co-founder as well as first director of the Sport Scheck canoeing school Munich. Together with colleagues Holger Machatschek also founded the VDKS, the "Verband Deutscher Kanu-Schulen" and a forerunner of today's BV-Kanu.

The Schräge Platte of the Mittlerer Oetz, the Große Vecchioschlucht, Talferbach, San Bernadino, Cannobino, Schwarzbach - Holger Machatschek was a participant and initiator during the first ascents everywhere. He was also the one who placed the reports in the well-known newspapers of that time: Alpinism, Alpin-Magazin, Bergwelt, DKV-Kanusport, Kanu-Magazin - they all printed his articles and thus fuelled the further development of alpine whitewater sports.

An outstanding characteristic of Holger Machatschek is his habit of questioning the tried and tested. For example, the shape and length of the usual white water kayaks. At that time they were about four metres long and pointed. The result of his research was first the "Topolino", the world's first series-produced short boat, a cult object and the end of the four-metre class. Shortly thereafter, the "VB-2000" was developed as a study with a raised bow (scoop) for considerably better pop-up capability. This detail immediately became the standard for modern whitewater boats.
Both developments, shorter boat length and improved shape, resulted in a drastic reduction in the number of accidents by pinned or jammed boaters, which had often been fatal up to then.

In addition to his passion for writing for magazines and books, Holger has always collected books and publications from other authors. First a private book collection was created, then a book collection together with the AKC and in 1995 the International Canoe Museum with boats by Luther, Rittlinger and Heurich.

So far this small interim balance to the 80th birthday of Holger Machatschek. There would be even more to tell, for example the famous night runs through the Salzachöfen. We'll talk about it and other episodes around the campfire. So, once again: Thank you very much and all the best to you, Holger Machatschek!

Horst Fürsattel, May 2019
 
 
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