KAYAKSESSION "BUYERS GUIDE" 2013
Interview Horst Fürsattel, November 2012

 
 
  
 
(English version, PDF)
 

Deutsche Übersetzung des Interviews:
 
 
Horst Fursattel, Gründer und Organisator der PADDLEexpo, kommt auf die 2012er Veranstaltung zurück, die den 10. Ausgabe der Messe markierte, und teilt mit uns seine Vision über die Zukunft der PADDLEexpo.
 
Die Ausgabe 2012 markiert den 10. Jahrestag der Ausstellung... Muss ein ziemlich tolles Gefühl sein, wenn man bedenkt, dass einige Leute zu Beginn an dem Projekt gezweifelt haben...

Ja, das ist ein großer Erfolg und darauf kann die gesamte Branche stolz sein. Natürlich gibt es bei jedem Projekt Zweifler, so auch bei der Messe-Idee. Aber das ist nicht schlimm, im Gegenteil – es zwingt alle Akteure zu entschlossenem Handeln. Viel gefährlicher wäre es, die Messe heute als Selbstläufer zu betrachten. Am Anfang ist alles neu, aufregend, die Begeisterung und das Wachstum groß. Aber das wird nicht automatisch immer so weitergehen. Schön, dass die ersten 10 Veranstaltungen geklappt haben. Damit haben wir jetzt hohe Erwartungen an Nummer 11 geschaffen, und die müssen erfüllt werden. Für Leichtsinn oder Ruhepausen ist also auch nach 10 Messen kein Raum.
 
Warum wurde der Name der PaddleExpo in diesem Jahr geändert (bisher hieß sie Kanu Messe)?.
Es ist nie gut, einen erfolgreichen Namen zu wechseln. Aber dieses Mal war es unvermeidlich: Die SUP-Expo lief parallel zur Kanumesse und wurde immer größer, unter dem Namen PADDLEexpo fühlen sich jetzt Kanu, Kajak und SUP zuhause. Außerdem wurde aus der ursprünglich regionalen „Kanumesse“ inzwischen eine globale Veranstaltung – auch das spiegelt sich jetzt in der internationalen Bezeichnung „PADDLEexpo“ wider.
 
Die Paddle Expo ist jetzt die größte Paddelsportmesse der Welt - welche Bedeutung hat die Messe und wie hoch ist der Anteil internationaler Unternehmen, die an ihr teilnehmen?
Der Anteil internationaler Marken bei der letzten Veranstaltung lag bei 86%, das hat mit den Anfängen der Messe nicht mehr viel gemeinsam. Zwar ist der Markt auch hierzulande gewachsen, aber bei weitem nicht so stark wie die Anzahl internationaler Anbieter oder die Nachfrage zusätzlicher, ausländischer Einkäufer auf der Messe. Dies setzte die heimischen Lieferanten anfangs unter großen Druck.
Inzwischen kommen aber nicht nur Lieferanten, sondern auch immer mehr Einkäufer aus dem Ausland – die PADDLEexpo ist tatsächlich ein großer Marktplatz geworden. Somit profitieren jetzt wirklich alle von der Dynamik dieser Messe: Hersteller, Händler und Konsumenten. Die Paddelsport-Branche wächst seit geraumer Zeit schneller als andere Industrien, die PADDLEexpo leistet dazu sicher einen wertvollen Beitrag.
 
Sehen Sie jedes Jahr einen Anstieg der Teilnehmerzahlen?
Ja, tatsächlich hat sich die Zahl der Aussteller 10 Jahre lang ständig vergrößert, auch die Ausstellungsfläche ist jedes Mal gewachsen.
 
Wie sieht es mit der Besucherzahl aus, steigt sie auch?
Ja, auch die Anzahl der Besucher ist jedes Mal gestiegen. Erwähnenswert ist dabei, dass vor allem der Anteil der internationalen Besucher gestiegen ist: Wer eine weite Anreise auf sich nimmt, der hat auch wichtige Geschäftsinteressen im Kopf und ist damit für die Aussteller besonders interessant.
Die Statistik zeigt Steigerungen bei Besuchern und Ausstellern, die größere Steigerung aber auf der Ausstellerseite. Das setzt die Anbieter unter Wettbewerbsdruck, ein Vorteil für Einkäufer und Konsumenten.
 
Wie schätzen Sie das Jahr aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen und der Rückmeldungen, die Sie auf der Messe gesammelt haben, ein?
Für diese Prognose sind vor allem drei Faktoren entscheidend: Das wirtschaftliche Umfeld, die Aussteller und die Besucher.
Natürlich könnte die gesamtwirtschaftliche Lage besser sein, aber die Paddelsport-Branche scheint sich auch in schwierigen Zeiten gut zu behaupten. Das bodenständige Wirtschaften der meisten Betriebe zahlt sich hier aus.  
Die Aussteller begrüßen die höhere Halle, haben jedoch Bedenken wegen dem geringeren Platzangebot im kommenden Jahr. Doch die Entscheidung für den Umzug steht und ich bin überzeugt dass alle irgendwie unterkommen.
Kriterium sind, wie jedes Jahr, die Besucher. Auch Stammbesucher wollen immer wieder umworben werden und prüfen vor ihrer Anreise sehr genau, welchen konkreten Nutzen Ihnen die Messe bieten wird. Deshalb sind Aussteller und Organisator jedes Jahr aufs Neue gefordert, alle Aktionen und Maßnahmen zu überprüfen und zu optimieren. Die Professionalität der Aussteller hat sich dabei in den letzten 10 Jahren extrem gesteigert und auch auf der Organisatorenseite nimmt dieser Bereich den größten Teil der Vorbereitungsarbeit ein. Denn eines ist klar: Über den Erfolg der Messe entscheidet am Ende jeder einzelne Einkäufer.
 
Nächstes Jahr wird die Messe in einer anderen Halle des Messegeländes stattfinden, Gerüchte besagen, dass sie viel heller sein wird und eine höhere Deckenhöhe haben wird... war dies ein Wunsch der Leute?
In 2013 wird die PADDLEexpo wieder in Halle 7A sein, dort war sie schon in den Jahren 2008 und 2009. Diese Halle hat Tageslicht und ist mehr als doppelt so hoch, also genau richtig um Outdoor-Produkte ansprechend in Szene zu setzen. Die Halle 7A ist auf der Ostseite des Messegeländes, dort baut die Nürnberg-Messe derzeit eine weitere, hohe Tageslichthalle. Spätestens wenn diese neue Halle fertig ist, hat die PADDLEexpo wieder genug Platz.
 
Was ist der Nutzen für den Paddler?
Die PADDLEexpo ist jedes Jahr Pilgerstätte und Zäsur. Die Zeitrechnung der Paddelindustrie beginnt jedes Jahr mit der PADDLEexpo. Die Marktteilnehmer kommen, sehen wohin die Nachfrage geht und wo sie im Wettbewerb stehen. Alles wird in Frage gestellt und neu justiert. Das mag manchen unbequem sein, aber die PADDLEexpo zwingt dadurch zu wirtschaftlicher Disziplin und Innovation. Im Endeffekt führt der Wettbewerb zu neuen, besseren Produkten und vernünftigen Preisen – das sind die beiden wichtigsten Vorteile der PADDLEexpo für den Konsumenten.
 
Was können Sie tun, um die Ausstellung noch besser zu machen?
Ganz banal: Hausaufgaben machen um die Erwartungen der Messeteilnehmer zu erfüllen und, wo immer möglich, zu übertreffen. Die Liste ist noch lang, an neuen Ideen mangelt es nicht. Es zählen aber nicht die Pläne, sondern die Tatsachen. Ein Teil der Arbeit ist bereits erledigt, aber es gibt noch viel zu tun. Keine spektakuläre Strategie, aber bewährt.
 
Sie waren sowohl Hersteller als auch Großhändler, bevor Sie mit der Messe begannen - kommt daher die Idee der Show? Basierend auf dem Sehen von Dingen, die gebraucht wurden und nicht existierten?
Die europäische Kanubranche war bis etwa zum Jahr 2000 auf der Friedsrichshafener „Outdoor” glücklich und zufrieden, wir hatten alles was wir uns wünschten. Erst als die „Outdoor“ den Termin von September auf Juli verlegte blieben uns die Kunden weg. Die „Outdoor“ musste den Termin aber wegen den Outdoor-Mode-Herstellern nach vorne verlegen. Wenn der Outdoor-Termin im September geblieben wäre, dann wären die Paddler vermutlich heute noch zufrieden auf dieser Messe.
Aus heutiger Sicht war es natürlich ein Glücksfall für uns, denn dadurch konnte sich unsere Branche als eigenständige Industrie emanzipieren und steht heute nicht mehr im Schatten von Rucksack und Wanderstiefel.
 
Werden wir in Zukunft eine "Öffnung" für Bekleidungsfirmen sehen, oder wollen Sie sich an eine paddelsportspezifische Messe halten?
Natürlich sind weitere Unternehmen als Aussteller auf der PADDLEexpo herzlich willkommen. Allerdings unter einer Bedingung: Der Bezug der Firma zum Paddelsport muss aktuell, glaubwürdig, durch Produkt und Mitarbeiter nachvollziehbar sein.
 
Aber das bedeutet nicht, dass Sie nicht hart daran arbeiten, eine noch größere Anzahl von Einkäufern aus allen Bereichen, einschließlich der Mainstream-Läden, anzuziehen?
Das ist richtig, in diesem Bereich wird viel Geld und Energie investiert. Mit Erfolg: Messe und Paddelsport sind regelmäßig Thema in den einschlägigen Fachmedien. Allerdings darf man nicht vergessen: Nachdem die PADDLEexpo keine Mainstream-Messe sein will, ist sie für Spezialisten attraktiver als für Mainstream Sportshops.
 
Was ist Ihre größte Quelle des Stolzes/der Zufriedenheit über die Messe?
Über meine Messe sind sich die europäischen Paddler näher gekommen, ohne dabei ihre Identität zu verlieren: So unterschiedlich und vielfältig die Sprachen in Europa sind, so zahlreich und individuell ist auch die Paddelszene in den einzelnen Ländern. Das ist geografisch und historisch bedingt, deshalb hat es auch seine Berechtigung. Aber seit es die PADDLEexpo gibt, sind Kontakte entstanden: Auf der Messe haben sich Hersteller, Händler und Redakteure das erste Mal persönlich getroffen und kennen gelernt. Es ist schnell ein Netzwerk entstanden, über das heute Waren, Informationen und Emotionen transportiert werden. Binnen kürzester Zeit sind diese Kontakte zur Selbstverständlichkeit geworden, dabei entstanden sie erst in den wenigen Jahren der Messe. Inzwischen ist das Netzwerk längst über Europa hinaus gewachsen und umschließt Teilnehmer aus 47 Nationen vom Pazifikraum über Osteuropa bis nach Südamerika. Alle Paddelnationen haben ihren jährlichen Treffpunkt – das finde ich einfach toll.
 
Wo würden Sie die Messe gerne in zehn Jahren sehen?
Im Jahr 2022 wird der Sport sich weiterentwickelt haben, wir werden zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten haben und Flugtickets werden teurer sein. Die PADDLEexpo wird sich diesen Entwicklungen anpassen und neue Angebote entwickeln, aber die Grundidee wird bleiben. Denn auch im Jahre 2022 werden persönliche Kontakte, Informationen und Vertrauen unverzichtbare Bestandteile im Geschäftsleben sein. Genau hier liegt die Stärke der Messe: Anbieter und Käufer stellen sich dem Wettbewerb, treffen sich auf einem global ausgerichteten Marktplatz zum Arbeiten, sitzen sich gegenüber, mit den Produkten griffbereit zum Anfassen. Es bleibt spannend!

 
 
Erschienen im KAYAKSESSION BUYERS GUIDE 2013
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers
Copyright KAYAKSESSION PUBLISHING 2013

 
 
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