Lyon River-Festival 2003
 
                                     

Lyon-River-Festival
Höhepunkt im Wildwasserjahr 2003 und eindrucksvolle Demonstration des Leistungsniveaus der internationalen Top-Freestyler
 
Das Festival
Das Lyon-River-Festival fand als Nachfolge des berühmten Rabioux-Rodeo am 16.-18 Mai 2003 mitten in Lyon/Frankreich auf der Rhône statt. Neben dem Rodeo-Wettkampf sorgten zudem zahlreiche Aktivitäten wie Live-Musik, Bewirtung, Kletterturm und Halfpipe für die richtige Festivalatmosphäre.
Darüber hinaus hatten Hersteller und Händler Stände aufgebaut, an denen Neuheiten ausgestellt waren oder Ausrüstung verkauft wurde.
Auch auf dem Festivalgelände konnte man das Geschehen auf der Welle immer live verfolgen. Dazu war mitten im Zentrum ein riesengroßer Bildschirm aufgebaut, auf dem das Geschehen live übertragen wurde. Also selbst beim Probesitzen in den neusten Booten der Ausstellung oder bei einem gemütlichen Plausch mit frischem Käse-Baguette am Zelt konnte man die Läufe der Teilnehmer verfolgen.
Am Samstagabend trafen sich alle Teilnehmer in der Innenstadt von Lyon, dort gab es in der Szene-Disco Abendessen am Buffet und natürlich Live-DJ-Musik bis zum Abwinken.
Beim früheren Rabioux-Festival befanden sich in der Umgebung lohnende Wildwasserstrecken aller Schwierigkeiten, deshalb war Rabioux auch stets von vielen Wildwasser-Urlaubern besucht. Das ist in Lyon nicht der Fall, aber durch die Lage im Naherholungsgebiet und die zusätzlichen Attraktionen rund ums Festival kam viel Publikum aus der Region und ein großes Aufgebot an Fotografen, Medienleuten und Kamerateams.
 
Die Welle
Der Umzug nach Lyon wurde nötig nachdem sich die Durance-Walze durch Hochwasser verändert hatte und die neuen Freestyle Moves jetzt besser auf Wellen als in Walzen gefahren werden können.
Die Welle entsteht an einer Sohlschwelle, die zur Stabilisierung der Stadtautobahn gebaut wurde. Die Schwelle ist einige Meter hoch, bei normalem Frühjahrs-Wasserstand bildet sich dort eine mehr als zwei Meter hohe, überschlagende Welle, wie man sie von der Brandung am Meer kennt. Daher auch der Name „Hawaii sur Rhône“, unter dem die Welle inzwischen bei Freestyle Paddlern aus aller Welt bekannt ist
Um die berühmte Wasser-Wand in voller Größe auszubilden fehlten beim Festival leider ein paarhundert Kubikmeter pro Sekunde, aber selbst bei dem ungewöhnlich niedrigen Wasserstand ist die Welle immer noch beeindruckend groß und wuchtig. Durch die lange Rutsche erhält das Wasser die hohe Geschwindigkeit und Energie, die nötig ist, um die Boote mitsamt Fahrern weit genug in die Luft zu schleudern, sich dort um alle Achsen zu drehen und wieder kontrolliert zu landen.
 
Die Teilnehmer
Der Termin war geschickt gewählt, genau zwischen dem Teva-Extrem-Race im Val Sesia und der Rodeo-Weltmeisterschaft in Graz. So trafen sich die Wildwasserfahrer nach der Italien-Veranstaltung mit den Rodeo-Fahrern, die bereits aus aller Welt eingetroffen waren um für die WM zu trainieren.
Die Teilnehmer-Liste liest sich deshalb wie das Who-Is-Who der internationalen Wildwasser-Szene: Corran Addisson, David Arnaud, Nico Chassing, Olli Grau, Andy Phillips, Mickey Abbot, Steve Fisher, Allan Ellard, Simon Westgarth, Matze Brustmann, Jutta Kaiser, Ingrid Schlott, Mariann Seather, Nikki Kelly, Deb Pinninger, Lynda Heroui und weitere, ebenso bekannte Namen, die man auch aus Expeditionsberichten (Tsangpo, Stikine) oder von den Rückseiten der Video-Hüllen kennt.
Insgesamt waren knapp über 100 Teilnehmer aus 14 Nationen am Start.
 
Der Wettkampf
Abweichungen vom Zeitplan sind bei Rodeos an der Tagesordnung, nicht nur Minuten, manchmal auch Stunden. In Lyon kam es nicht einmal auf den Tag so genau an, trotzdem hat letztlich alles prima geklappt.
Auch die Welle war kein gewöhnlicher Rodeospot, sondern sehr schwierig zu erwischen. Selbst routinierte Top-Fahrer hatten manchmal Pech und wurden einfach durchgespült.
Die Einfahrt in die Welle ist nur von oben möglich, einen zweiten Versuch aus dem Kehrwasser gibt es bei Hawaii sur Rhône nicht.
Die besten Bedingungen waren im Viertelfinale am Samstagnachmittag, da gab es reihenweise die Moves zu sehen, die man aus den neusten Freestyle-Videos kennt. Mit Spins oder Cartwheels war kein Preis zu gewinnen. Selbst mit viel Luft unterm Boot bei den Aerial Blunts war nichts mehr zu holen nachdem Helix, Pan-Am und Air-Screws gezeigt wurden und die Ansprüche der Schiedsrichter und Zuschauer nach oben getrieben hatten.
Am Sonntag war der Wasserstand weiter gesunken und äußerste Präzision gefragt, um überhaupt in der Welle zu bleiben.
Bei den Junioren dominierten die französischen Fahrer, hier waren gar keine deutschen Teilnehmer am Start. In allen anderen Kategorien spielten die deutschen Kayaker aber richtig mit:
Mathias Brustmann schaffte es im Halbfinale bis Platz vier, bevor er sich verabschieden musste. Olli Grau kam ebenfalls im Halbfinale bis auf Platz drei und musste dann wegen einer alten Verletzung leider aufgeben.
Die Gewinner der deutschen WM-Qualifikation kamen auch in Lyon auf die besten Plätze: Stefan „Förster“ Pätsch schaffte es zur Siegerehrung auf die Bühne, ihm gehört der dritte Platz bei den C1. Am besten lief es bei den Damen, dort holte Jutta Kaiser den ersten Platz, nachdem sie souverän alle Vorläufe ebenfalls gewonnen hatte.
Im Finale der K1 Herren setzte sich der Canadier Patrick Camblin vor die Lokal-Matadore Mika Hyla und David Arnaud.
 
Die Bewertung
Das Lyon-River-Festival war eine Demonstration des Leistungsniveaus der internationalen Spitzenathleten im Freestyle Kayaking. Einen wesentlichen Beitrag hierzu hatte das Bewertungssystem: Nur die 3 spektakulärsten Moves wurden gezählt – je höher, je schwieriger, je fetter die Moves, desto höher die Punktzahl. Die langweilige Taktik, mit einer Serie einfacher Moves ohne Risiko viele Punkte zu machen funktionierte also nicht. Damit war für höchste Spannung gesorgt, sowohl bei den Fahrern als auch bei den Zuschauern.
 
Die Ergebnisse
 
K1 Junior:
1 Durand Benjamin FRA
2 Dumoulin Mathieu FRA
3 Arnaud Sylvain FRA
 
C1 Herren:
1 Lacroix Xavier FRA
2 Baldwin Brookx USA
3 Paetsch Stefan GER
 
K1 Damen:
1 Kaiser Jutta GER
2 Pinninger Debby UK
3 Green Polly USA
 
K1 Herren:
1 Camblin Patrick CAN
2 Hyla Mika FRA
3 Arnaud David FRA
 
Weitere deutsche Teilnehmer waren: Ingrid Schlott, Olli Grau, Michael Sommerauer, Sebastian Striebel und Matze Brustmann.

Das Lyon-River-Festival war als Urban-Kayak-Festival geplant und hat seine Ziele voll erreicht. Entspannte Festival-Atmosphäre, Höchstleistungen auf der Welle, spannende Wettbewerbe für Fahrer und Zuschauer bei internationaler Beteiligung. Ein rundum gelungener Event!
 
Veranstalter
Veranstalter des Lyon-River-Festivals sind die Herausgeber von Kayaksession und Canoe-Kayak-Magazin.
 
Hinweis an begeisterte Nachahmer
Die Welle ist nur für Spezialisten, die genau wissen, was sie tun und vorher auf kleineren Wellen Erfahrungen gesammelt haben. Auch bei Niederwasser sind an der Rhône gewaltige Wassermassen in Bewegung. Wer schwimmt, der braucht viel Kraft um ans Ufer zu gelangen. Nicht zu unterschätzen ist auch das Verletzungsrisiko durch die hohe Geschwindigkeit der Welle beim Verkanten oder Verschneiden.
Die Veranstaltung verlief unfallfrei, aber ein Motorboot mit Besatzung war ständig bereit.
 
(Horst Fürsattel für den DKV-KANUSPORT im Mai 2003)

 


 
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